Kanada Roadtrip: Buckelwale im Dauerregen
Natur pur vor Vancouver Island: Mein Tag in Campbell River stand voll und ganz im Zeichen des nassen Elements – sowohl von unten als auch von oben. Während der Dauerregen auf das Dach meines Campers trommelte, war ich dankbar für die Ruhepause, die auch meinem schmerzenden Knie guttat. Doch das Wetter konnte mich nicht aufhalten: An Bord eines kleinen Bootes suchte ich den Pazifik nach den sanften Riesen ab – und geriet mitten in einen unerwarteten Rettungseinsatz für einen Buckelwal.
Auf Tuchfühlung mit den Meeresgiganten
Campbell River begrüsste mich mit sprichwörtlichem Dauerregen. Da mein Knie vom vielen Fahren auf den steilen Passstrassen der letzten Tage immer noch stark protestierte, war ich an diesem Morgen mehr als froh, dass das Wohnmobil sicher auf dem Campingplatz stehen bleiben konnte und ich weder fahren noch weit laufen musste.
Der halbstündige Spaziergang hinunter zum Hafen war wie durch ein Wunder die einzige trockene Phase des Tages. Am Pier angekommen, ging es an Bord eines kleinen, geschlossenen Bootes. Das war ideal für das ungemütliche Wetter, bot aber dennoch genug Decksfläche im Aussenbereich, um die Tierwelt hautnah zu beobachten.



Die Suche dauerte nicht lange: Schon kurz nach dem Ablegen tauchte der erste Buckelwal auf. Es ist jedes Mal aufs Neue tief beeindruckend, wie sanft und elegant diese riesigen Säugetiere durch das dunkle Wasser gleiten. Meist kündigen sie sich durch ihren lautstarken „Blow“ an – die meterhohe Fontäne beim Ausatmen war selbst bei der durch den Regen eingeschränkten Sicht perfekt zu erkennen. Ich beobachtete den Riesen dabei, wie er dreimal ruhig an der Oberfläche Luft holte, bevor er seinen Rücken krümmte und mit dem klassischen, eleganten Abtauchen der Fluke in den Tiefen des Pazifiks verschwand.
mehr Infos über Buckelwale (Humpback Whales)
Buckelwale sind wahre Weltreisende der Ozeane. Die Tiere, die man vor der Küste von Vancouver Island antrifft, gehören meist zur Population des Nordpazifiks. Ein Buckelwal erreicht eine Länge von bis zu 15 Metern und ein Gewicht von bis zu 30 Tonnen.
Das wohl spektakulärste Merkmal ist ihr komplexes Sozialverhalten und ihre Kommunikation. Buckelwale sind bekannt für ihre „Gesänge“, die aus einer komplexen Abfolge von Tönen bestehen und über weite Distanzen übertragen werden. Ein weiteres Highlight ist die sogenannte „Blasentechnik“ (Bubble Net Feeding), bei der die Tiere gemeinsam im Kreis schwimmen und Luftblasen ausstossen, um Fischschwärme einzukreisen und dann mit aufgerissenem Maul gemeinsam nach oben zu stossen.



Plötzlicher Notruf auf See: Beistandspflicht für den Riesen
Plötzlich änderte sich die Dynamik der Tour schlagartig. Über Funk kam die Meldung, dass ein anderes Schiff in der Region einen Wal touchiert hatte. In den Gewässern um Vancouver Island gilt in einem solchen Fall eine strikte Beistandspflicht: Wer in der Nähe ist, muss hinfahren, das Tier lokalisieren und nach Verletzungen Ausschau halten. Da meine Kapitänin professionelle Kameraausrüstung zur Dokumentation an Bord hatte, machten wir uns sofort auf den Weg zum Unfallort.



Nach kurzer Suche entdeckten wir den betroffenen Buckelwal. Die Erleichterung an Bord war gross: Der Riese verhielt sich vollkommen normal, tauchte ruhig und zeigte keinerlei sichtbare Wunden oder Verhaltensauffälligkeiten. Er blieb sogar so entspannt in unserer Nähe, dass wir die nötigen Kontrollfotos für die Meeresbiologen schiessen konnten. Ein echtes Abenteuer, das mir noch einmal verdeutlichte, wie schützenswert diese sanften Giganten sind.
Insel-Idylle und logistische Optimierung
Nach dem Vorfall setzten wir die Tour fort. Zwar zeigten sich auf dem restlichen Weg keine weiteren Wale mehr, dafür kreuzten wir durch ein riesiges, raues Inselgebiet und beobachteten Kolonien von Robben und Seelöwen, die dem Wetter auf ihren Felsen trotzten. Nach insgesamt sechs Stunden auf See inklusive einer Mittagspause auf Stuart Island (wo ich sogar die Landung eines Wasserflugzeuges beobachten konnte) legte das Boot wieder im Hafen an.











mehr Infos über Seelöwen und Robben an der Westküste
An der Westküste Kanadas trifft man vor allem zwei Arten von Flossenfüßern an: den Kalifornischen Seelöwen und den Seehund (Harbour Seal).
Der Kalifornische Seelöwe ist deutlich grösser, geselliger und „lauter“. Er ist ein exzellenter Kletterer und nutzt seine Vorderflossen, um sich auf steilen Felsen oder Anlegestellen zu hieven. Man erkennt ihn an seinem bellenden Laut und den sichtbaren äusseren Ohrmuscheln. Der deutlich scheuere Seehund hingegen ist kleiner, hat keine äusseren Ohrmuscheln und bewegt sich an Land eher schwerfällig, weshalb er fast ausschliesslich auf flachen Felsen oder Sandbänken in Wassernähe anzutreffen ist.
Zurück am Camper stand das Schonen des Beins an oberster Stelle. Ich nutzte die Ruhepause im trockenen RV, um meine kommenden Übernachtungen zu optimieren. Eigentlich hatte ich für die Weiterreise zwei Nächte in Crofton gebucht. Bei der Detailrecherche für den geplanten Ausflug nach Victoria stellte ich jedoch fest, dass es viel cleverer wäre, direkt vor den Toren der Hauptstadt zu campieren. Kurzerhand reservierte ich einen Platz auf dem Fort Victoria RV Park – von dort aus gelangt man perfekt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt, ohne das 30-Fuss-Wohnmobil durch den Stadtverkehr manövrieren zu müssen. Mit einigen Streamingserien liess ich den Abend gemütlich ausklingen, während der Regen draussen unaufhörlich auf das Dach prasselte.


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Hast du auf deinen Reisen auch schon einmal miterlebt, wie ein geplanter Ausflug plötzlich zu einem Notfall-Einsatz wurde? Wie gehst du mit Regentagen auf einem Roadtrip um – verkriechst du dich auch am liebsten mit einer Serie im Camper oder ziehst du dein Programm bei jedem Wetter durch? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, stelle deine Fragen oder teile deine eigenen Kanada-Erfahrungen mit mir – ich freue mich auf deinen Input!